Am 8. August 2026 fand in Welzheim die Landesmeisterschaft Baden-Württemberg Bogen WA im Freien für die Jugend sowie die Damen- und Herrenklassen im olympischen Recurvebogen statt. Bei besten äußeren Bedingungen bot das hervorragend vorbereitete Gelände der SGi Welzheim den passenden Rahmen für einen spannenden Wettkampftag.
Veranstalter war das Landesleistungszentrum im Sportschießen Baden-Württemberg. Rund 90 Schützinnen und Schützen hatten sich für die Landesmeisterschaft qualifiziert. Am Ende trat allerdings nicht einmal die Hälfte der Qualifizierten tatsächlich an. Der Termin lag mitten in den Sommerferien und damit für viele Familien in einer ohnehin schwierigen Urlaubszeit. Zusätzlich war der Meldeschluss für die Deutsche Meisterschaft bereits eine Woche zuvor, sodass die Landesmeisterschaft für die Qualifikation zur DM keine weitere sportliche Bedeutung mehr hatte. Beides dürfte dazu beigetragen haben, dass viele der Qualifizierten auf einen Start in Welzheim verzichteten.
Die SGi Welzheim hatte den Wettkampfplatz bestens vorbereitet und sorgte auch für die Verpflegung der Teilnehmer und Betreuer. Eine besondere Erwähnung verdient Andreas Böhm, Landesreferent Bogen, der kurzfristig als Wettkampfrichter einsprang und darüber hinaus auch die umfangreiche organisatorische Vorbereitung übernahm, die für die Durchführung eines solchen Wettkampfes notwendig ist.

Drei Bietigheimer qualifiziert, zwei am Start
Vom BogenSport Bietigheim hatten sich Pia Fein, Olivia Morello und Christopher Schrader für die Landesmeisterschaft qualifiziert. Christopher konnte aufgrund eines bereits länger geplanten Urlaubs leider nicht teilnehmen.
Pia und Olivia hatten sich intensiv auf den Wettkampf vorbereitet. Die Devise für den Tag war klar: Locker bleiben, Spaß haben und das eigene Können abrufen.
Bei Pia Fein gelang dieser Start zunächst sehr gut. Mit 270 Ringen im ersten Durchgang schoss sie ein starkes Ergebnis und lag damit auf Rang 3. Eine sehr gute Ausgangsposition für die zweite Hälfte des Wettkampfs.
Bei Olivia Morello lief es dagegen zunächst deutlich schwieriger. Viele Ausreißer sorgten für Unsicherheit und machten sie zunehmend nervös. Mit 262 Ringen blieb sie im ersten Durchgang deutlich hinter ihrer aktuellen Wettkampfleistung zurück und fand sich zunächst auf Rang 6 wieder.

Im zweiten Durchgang zeigte sich dann, wie schnell sich ein Wettkampf verändern kann.

Pia bekam zunehmend mit der Kraftausdauer zu kämpfen. Die Belastung über die vielen Schüsse machte sich bemerkbar und sie konnte ihr Niveau aus dem ersten Durchgang nicht halten. Mit insgesamt 520 Ringen belegte sie am Ende Rang 5.
Bei Olivia wurde während des zweiten Durchgangs eine technische Ursache für einen Teil der ungewöhnlich starken Ausreißer entdeckt. Nach einer kompletten Neubefiederung am Vorabend waren die Nocken der Pfeile nicht korrekt ausgerichtet. Dadurch konnten die Pfeile beim Abschuss immer wieder hängen bleiben. Das erklärte rückblickend einige der extremen Ausreißer aus dem ersten Durchgang.
Nachdem die Ursache erkannt und behoben war, konnte Olivia ihr Schießen wieder stabilisieren. Mit 287 Ringen im zweiten Durchgang machte sie noch einmal deutlich Boden gut. Mit insgesamt 549 Ringen erreichte sie am Ende Platz 4 und verpasste damit das Podium nur knapp.

Was bleibt von diesem Wettkampf?
Natürlich schaut man nach einem Wettkampf zuerst auf die Platzierung. Aber gerade bei solchen Tagen steckt der eigentliche Wert oft in dem, was man anschließend mit nach Hause nimmt.
Pia hat erfahren, wie wichtig Kraftausdauer über die gesamte Wettkampfdistanz ist. Ein starker erster Durchgang ist eine hervorragende Basis, entscheidend ist aber, dieses Niveau auch über die komplette Distanz halten zu können. Für das weitere Training ist damit ein klarer Ansatzpunkt entstanden: Technik und Kraft müssen auch unter zunehmender körperlicher Ermüdung stabil bleiben.
Olivia hat gelernt, wie wichtig die Kontrolle des eigenen Materials ist. Eine kleine technische Abweichung kann sich im Bogensport unmittelbar auf das Ergebnis auswirken. Gleichzeitig hat sie gezeigt, dass man sich von einem schwierigen Start nicht aus dem Wettkampf bringen lassen muss. Nachdem die Ursache erkannt und behoben war, konnte sie sich deutlich steigern und mit 287 Ringen einen starken zweiten Durchgang schießen.
Auch für den Trainer war Welzheim ein wichtiger Lerntag. Olivia wurde von ihrem Vater Gero Morello betreut am Wettkampf betreut. Gerade bei einer neuen oder komplett überarbeiteten Pfeilkonfiguration muss die Materialkontrolle vor dem Wettkampf noch konsequenter Bestandteil der Vorbereitung sein. Eine falsch ausgerichtete Nocke kann unter Wettkampfbedingungen erhebliche Auswirkungen haben. Gleichzeitig hat der Wettkampf gezeigt, wie wichtig es ist, bei unerklärlichen Leistungsschwankungen nicht nur nach technischen oder mentalen Problemen beim Schützen zu suchen, sondern auch das Material systematisch als mögliche Ursache einzubeziehen.
Für Gero bedeutet das: noch genauer hinschauen, die Abläufe vor dem Wettkampf weiter optimieren und aus der Situation lernen. Denn auch ein Trainer sammelt mit jedem Wettkampf neue Erfahrungen. Gerade die unerwarteten Situationen sind es, aus denen sich häufig die wertvollsten Erkenntnisse für das nächste Training ergeben.
Gemeinsam erlebt, gemeinsam gelernt
Am Ende war es aber nicht nur ein lehrreicher, sondern vor allem ein schöner Wettkampftag. Pia, Olivia, Gero und Tobias hatten gemeinsam großen Spaß an der Landesmeisterschaft.

Tobias Fein unterstützte seine Tochter Pia während des gesamten Wettkampfs und war damit ebenso Teil dieses besonderen Wettkampftages wie Gero Morello, der Olivia betreute.
Gerade diese Mischung aus sportlichem Anspruch, gegenseitiger Unterstützung und gemeinsamem Spaß macht den Bogensport aus. Nicht jeder Wettkampf muss perfekt laufen. Manchmal sind es gerade die schwierigen Wettkämpfe, von denen man am meisten mitnimmt.
Am Ende stehen für den BogenSport Bietigheim zwei gute Platzierungen: Pia Fein auf Rang 5 mit 520 Ringen und Olivia Morello auf Rang 4 mit 549 Ringen.

Das Podium wurde knapp verpasst. Viel wichtiger ist aber, was von diesem Tag bleibt: neue Erfahrungen, konkrete Ansatzpunkte für das Training, gemeinsame Erlebnisse und vor allem viel Spaß am Bogensport.
Denn eines gilt im Sport immer:
Nach dem Wettkampf ist vor dem Wettkampf.
Die Erkenntnisse aus Welzheim werden mit ins Training genommen, die nächsten Stellschrauben werden bearbeitet und dann geht es weiter.
Die nächste Herausforderung wartet bereits.